Kritik

Manhattan holt den Pinsel raus: NY-Underground

Lexikon | Matthias Dusini | aus FALTER 15/11 vom 13.04.2011

Mitte der Nullerjahre, als alle Galerien in den Stadtteil Chelsea ziehen, macht in Süd-Manhattan Reena Spaulings Fine Art auf, in der angesagte Künstler wie Josh Smith und auch die richtigen Eurokünstler, etwa Merlin Carpenter, ausstellen. Außerhalb des Marktrausches will die Szene einmal unter sich sein. Reena Spaulings ist eine Kunstfigur, die performt, künstlerisch arbeitet und Galeristin ist. Dahinter steckt das seit 1994 existierende Künstlerinnenkollektiv Bernadette Corporation, das Filme, Zeitschriften und Bücher produziert.

Im Boltenstern Raum zeigt Reena Spaulings Malerei. Einige zu einer rechtwinkligen Raumfigur montierte New Yorker Gasrohre zollen dem Ursprungsort Tribut. Die Bilder "Michael I, II, III und IV“ holten ihre Anregung bei der Malerei von Yves Klein. Der Franzose schleifte blau bemalte, weibliche Modelle über Papier, wodurch expressiv wirkende, abstrakte Gemälde entstanden. Spaulings wiederholte das Experiment. Diesmal war das Modell aber nicht anonym, sondern der Kunstkritiker Michael Sanchez, der pinkfarbene Spuren - und eine genderpolitisch überarbeitete Version der Klein’schen Machobilder - hinterließ.

Auch die Bernadette Corporation pflegt in ihrer Schau "Stone Soup“ die gelassene Attitüde einer intellektuell versierten In-crowd, die es mit dem Werk nicht so genau nimmt. Zu sehen sind Studiofotografien eines weiblichen Models, deren Hochglanz durch Kartoffeldrucke gestört wird. An der Wand hängen Fotos in Postergröße, aber auch Set-Karten aus Modelagenturen. Einige sind am Photoshop korrigiert, andere dokumentieren die dichte Unterarmbehaarung der Frau. Kühl und teilnahmslos möchte man hier die Massenproduktion von Schönheit und Verführung dokumentieren.

Galerie Meyer Kainer, bis 7.5.


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