Kritik

Vom Neandertal auf die sinnliche Wolkenschaukel

Lexikon | aus FALTER 15/11 vom 13.04.2011

Es überrascht nicht zu hören, dass sich der deutsche Künstler Stefan Löffelhardt in der Vergangenheit viel mit dem Barock beschäftigt hat. Seine in der Galerie Hartmann unter dem Titel "to Neanderthal“ ausgestellten Arbeiten haben etwas von der Luftigkeit und Verspieltheit, wie sie uns an barocken Freskos so oft beflügeln. Wie eine Schaukel hängt etwa seine zentrale Skulptur "Raben“ in der Luft, bei der ein Teil eines Plastikstuhls von zwei hellorangen Stoffknödeln wie bei Sonnenuntergang gefärbten Wölkchen flankiert. Oder wollte der Künstler auf die hochfliegenden Unterröcke der Dame in Jean-Honoré Fragonards Rokoko-Meisterwerk "Die Schaukel“ anspielen, die genau in jenem Apricot leuchten?

So heiter wirkt die hybride Installation allemal; zu ihrem Inventar zählen neben einer Deckenleuchte und Teppichresten auch Bleistifte, und in den Zeichnungen und Collagen der Schau hat der 1959 geborene Künstler damit wolkenartige Formationen geschaffen.

Das Neandertal liegt nicht weit von Düsseldorf, wo Löffelhardt lebt und er ließ seiner Fantasie zu diesem Touristenziel freien Lauf. Da schwebt ein hineincollagiertes Bild der Kunstakademie ebenso durch die Bleistiftschwaden wie ein Plastikbecher, eine Nackte, Murmeln oder ein Stempel mit der Aufschrift "Entwurf“. Wie er diese Flugobjekte mit weißer oder silberner Farbe überlagert oder darauf schweben lässt, verrät kompositionelle Könnerschaft.

Bis ins letzte Detail geplant und inszeniert werden auch Löffelhardts reizvolle Fotografien, die auf den ersten Blick wie Aufnahmen von Strandgut am Meer aussehen. Die Wellen bestehen aber in Wahrheit aus glänzender Plastikfolie, die einfach am Atelierboden ausgebreitet wurden und das Schwemmmaterial entpuppt sich großteils als Studiomüll. NS

Galerie Hartmann, bis 23.4.


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