Neu im Kino

Von der Komik des Herumlavierens: "Cyrus“

Lexikon | Joachim Schätz | aus FALTER 15/11 vom 13.04.2011

John C. Reilly hat eine unorthodoxe Schauspielerlaufbahn zurückgelegt. Bekannt geworden in den Ensembledramen von Paul Thomas Anderson, erfand sich der Charakterdarsteller mit den Schneckerln vor fünf Jahren als Komiker neu. Im Will-Ferrell-Vehikel "Talladega Nights“ entwarf er damals in haarsträubenden Dialogduellen eine Mischung aus Gutmütigkeit, Streitlust und Einfalt, die er seither in etlichen Kinokomödien und Internetsketches variiert hat.

Wie klein der Abstand zwischen dem Dramenfach und den ewigen Buben der aktuellen US-Komödie aber eigentlich ist, macht Reilly jetzt in "Cyrus“ deutlich. In dem Film spielt er den Pechvogel John, der nach Jahren der Einsamkeit eine Beziehung mit der reizenden Molly (Marisa Tomei) eingeht. Auf die hat aber ein anderer Mann Ansprüche angemeldet: Ihr 21-jähriger Sohn Cyrus (Jonah Hill), der nach wie vor bei Mama wohnt, sabotiert Johns Bemühungen um Molly mit immer drastischeren Winkelzügen.

Was sich anhört wie das high concept einer Blödelkomödie, wird von den Filmemacher-Brüdern Mark und Jay Duplass konsequent charakterorientiert (manchmal auch: ein wenig zahm) als Dramödie waidwunder Egos erzählt. Komik entsteht hier mehr beim linkischen Herumlavieren als beim drastischen Ausagieren von Bedürfnissen und Ressentiments. Und die Brüder Duplass lassen Dialog und Digitalkamera schwirren und stolpern wie in ihren früheren Billig-Regiearbeiten, als sie statt Mittelliga-Stars noch No-Names besetzten.

Übrigens: Dass diese bemerkenswerte Zwitterproduktion hierzulande ins Kino kommt, ist nicht dem Großstudio Fox zu verdanken, das die Weltrechte innehat, sondern der Initiative des heimischen Verleihs Abc films.

Ab Fr im Gartenbaukino (OmU)


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