Neu im Kino

History hurts: ein RAF-Psychodrama

Lexikon | Drehli Robnik | aus FALTER 15/11 vom 13.04.2011

Andres Veiel drehte 2001 "Black Box BRD“, eine Familienpsychodrama-Doku zum Terror der dritten RAF-Generation, und dokumentierte 2004 "Die Spielwütigen“, deutsche Schauspielschüler im Glauben an ihre Berufung. Sein Spielfilmdebüt "Wer wenn nicht wir“ zeigt junge Deutsche, deren Glaube, auf die Bühne der Geschichte berufen zu sein, in Gewalt mündet; 1970 entsteht daraus die RAF. "Urszene“ heißt das Konzept des Films: Lebensprägung bis in die Physis durch Vorgegebenes, seien dies Eltern oder Milieus, plastisch inszenierte (Wohn-)Räume - muffige Familienessen, Tischdebatten der literarischen, sozialdemokratischen und studentischen Linken; der Nachtclub, in den Baader, (gewalt-)geil und wimperngetuscht, Gudrun Ensslin führt, die Gefängniszelle, in der Ensslin landet, die Sandkiste, in der ihr Mann Bernward Vesper am Ende irr, nackt und embryonal kauert. Politik ist hier Ausdruck von Seelenleid an (selbstgewählter) Berufung, (Selbst-)Liebe und (Selbst-)Hass; dazwischen didaktische Clips, Archivbilder zu Neuaufnahmen vielsagender Sixties-Hits: Berliner Mauer, "Keep on Running“ - so war das, so musste es kommen, so einfach kann Geschichte sein.

Ab Fr in den Kinos


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