Retrospektive

Realismus der Sehnsüchte: Filme von Elfi Mikesch

Lexikon | Joachim Schätz | aus FALTER 15/11 vom 13.04.2011

Schön, wenn Initiativen wie diese Kreise ziehen. Auf der Diagonale wurde die außergewöhnliche Kamerafrau und Filmemacherin Elfi Mikesch vor wenigen Wochen mit einer Personale gewürdigt (siehe Falter 11/2011). Jetzt kann man sich auch im Filmcasino mit einer feinen Auswahl ihrer dokumentarischen Arbeiten bekannt machen, darunter zwei Wien-Premieren heuer fertiggestellter Filme.

"Mondo Lux“, der Eröffnungsfilm der Schau, porträtiert berührend wie schlau den im Vorjahr verstorbenen Filmemacher Werner Schroeter, den eine langjährige Freundschaft und Arbeitsbeziehung mit Mikesch verband. Ein früheres Resultat dieser Zusammenarbeit, Schroeters Sängerinnen-Essay "Poussières d’Amour“ von 1996, wird ebenfalls gezeigt. In Mikeschs eigene Vergangenheit führt auch "Judenburg findet Stadt“, ein Besuch in der steirischen Kleinstadt, die sie mit abgeschlossener Fotografenlehre 1962 verließ.

Mikeschs dokumentarisches Genre ist das Porträt, ihre Protagonisten findet sie im eigenen Lebensumkreis: "Ich brauche nur die Türe aufzumachen.“ Im Mittelpunkt ihres ersten Langfilms, "Ich denke oft an Hawaii“ (1977/78), steht dann tatsächlich eine Nachbarin aus dem Berliner Stadtrandwohnblock, die 16-jährige Carmen. Deren eintönigem Alltag setzt der Film brüchig-prächtige Inszenierungen Carmens als Star der eigenen Tagträume entgegen. Solche Öffnungen des Dokumentarfilms zum Inszenierten bleiben bei Mikesch nicht (wie so oft in aktuellen Dokus) konzeptueller Gimmick, sondern helfen, ins Gespräch zu kommen: "Wenn ich mit meinen Protagonisten auf eine spielerische Weise kommuniziere, dann tauchen Wünsche und Sehnsüchte auf, die sich sonst nicht zeigen würden.“

Filmcasino, 14. bis 17.4.


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