Kunst Kritik

Der Gruppenzwang im Zuge seines Scheiterns

Steiermark | aus FALTER 15/11 vom 13.04.2011

Der Begriff "Gemeinschaft“ bildet heuer den Schwerpunkt von Camera Austria. Und weil der nicht ganz unbelastet ist, vielmehr ja ans Utopistische grenzt, zeigt sich schon die Auftaktausstellung "Communitas. Die unrepräsentierbare Gemeinschaft“ als Abfolge kleiner Kompartimente. Der so aufgeteilte Raum beherbergt eine Auswahl künstlerischer Arbeiten, die sich unterschiedlichen Formen des Scheiterns von "Gemeinsam-Sein“ widmen, dabei geografisch und historisch weit ausgreifen und immer auch nach der Authentizität jener Bilder fragen, derer sich das jeweils transportierte Bild des Gemeinschaftlichen bediente. Clemens von Wedemeyers Projekt "The Fourth Wall“ dreht sich um die "Tasaday“, einen 1971 entdeckten Stamm von Höhlenmenschen, der zwar Diktator Marcos gut ins Konzept passte, aber bald als nicht ganz echt galt.

Am anderen Ende der Welt überprüft Heidrun Holzfeind in ihrem Video "Colonnade Park“, was ein modernistisches Hochhaus Mies van der Rohes in seinem Inneren an Einrichtungen und Lebensentwürfen so alles aushalten muss, bei aller gut gemeinten Klarheit. Welch konventioneller Bilder und Rhetoriken sich demgegenüber die Aussteigerkommunen der 60er- und 70er-Jahren bedienten, wird in einer mehrteiligen Installation von Martin Beck deutlich. Sharon Hayes ließ sich mit Protestschildern an Schauplätzen historischer Protestaktionen fotografieren. Im Aufeinandertreffen zumeist gleichgültiger Passanten und historischer oder fiktiver Protestbotschaften lotet ihre Arbeit "In the Near Future“ nicht nur das kritische Potenzial von Performances, sondern des öffentlichen Raumes generell aus. Und Sanja Ivekovi´c verlebendigt in einer aufwendigen Videoinstallation die Opfer des Massakers an den Gwangjus als Liga blickloser Toter. Nirgends ist Gemeinsam-Sein utopischer. UT

Camera Austria, bis 19. 6.


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