Meinesgleichen

Johann Hatzl - Abschied von urbanem Urgestein

Falter & Meinung | aus FALTER 15/11 vom 13.04.2011

Er war einer, der aus der Zeit fiel. Die meisten Nachrufe auf ihn nehmen sich seltsam verlogen aus; man scheint nicht recht zu wissen, was man an ihm loben soll. Auch war Johann Hatzl weder ein besonderer Freund des Falter, noch fühlte sich der Falter von ihm je besonders angezogen. Dazu bestand kein Anlass, man tauschte weder Komplimente noch Freundlichkeiten aus. Respekt von unserer Seite gab es immerhin. Hatzl war, was man Urgestein nennt, ein Betonschädel. Einer, der sich nicht nur zu heiligen Zeiten mit "Genosse“ anreden ließ. Auf der Simmeringer Parteizentrale der SPÖ prangt noch heute in fetten Lettern "Sozialistische Partei“ (so hieß die SPÖ von 1945 bis 1991).

Der Straßenbahnersohn und Waggonschlosser aus Simmering konnte es nicht verstehen, dass die Öffis am 1. Mai fahren durften (was die damals mitregierende ÖVP als billigen vermeintlichen Triumph über das Rote Wien durchsetzte). Johann Hatzl war einer der letzten Exponenten dieses alten Roten Wien. Er war als Wohnbaustadtrat und Verkehrsstadtrat an seiner eigenen Karriere denkbar desinteressiert, am Wohl der kleinen Leute umso mehr.

Ihren Lebensbereich Simmering hat er nie verlassen. Im letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts machte sein Fußballverein, der 1. Simmeringer Sportclub, die Höhen und Tiefen eines durchschnittlichen österreichischen Klubs durch: Abstieg, Pleite, Unterklassen. Johann Hatzl war oft dabei. Die Raulederjacke um die Schultern, auf den billigen Plätzen.


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