Am Apparat  

Wollen Sie den Ethikunterricht verhindern, Herr Oberhummer?

Telefonkolumne

Politik | aus FALTER 15/11 vom 13.04.2011

Am 4. Mai wird im Parlament über den Ethikunterricht diskutiert. Es geht um die Frage, ob Oberstufenschüler, die sich vom Religionsunterricht abmelden, Ethikstunden nehmen müssen. Zur Enquete wurden Vertreter aller Glaubensgemeinschaften eingeladen - aber kein Fürsprecher der Konfessionslosen, kritisiert Heinz Oberhummer, emeritierter Physikprofessor und Vorsitzender des Rates der Konfessionsfreien.

Warum wurden Sie nicht eingeladen?

Das ist mir ein Rätsel. Bei der Enquete sind 32 religionsnahe Vertreter eingeladen, aber kein einziger der Konfessionsfreien. Ich muss dazu sagen: Ich wurde mittlerweile von den Grünen eingeladen und kann dank grüner Gnade doch noch zu Wort kommen.

Was ist so schlimm daran, dass kein Konfessionsloser eingeladen wurde?

Das ist eine Missachtung von zwei Millionen Österreichern, die keiner Konfession angehören. Genau diese Gruppe würde die Einführung des Ethikunterrichts vor allem betreffen.

Haben Sie etwas gegen Ethikunterricht?

Nein, kein vernünftiger Mensch kann etwas dagegen haben. Das Problem ist aber: Die Ethiklehrer sollen Philosophie studiert haben, nicht Religion.

Sie fürchten, dass Religionslehrer den Ethikunterricht künftig leiten?

Genau, die Kinder melden sich vom Religionsunterricht ab und können dann denselben Lehrer im Ethikunterricht vorgesetzt bekommen. Das ist doch absurd!

Was stört Sie an den Religionslehrern?

Wer nicht Philosophie studiert hat, soll nicht Ethik unterrichten. Die religiöse Ethik ist etwas anderes als die Ethik in der Philosophie. Da geht es um Vernunft, nicht um das Glauben an irgendeine göttliche Offenbarung.

Gab es eine Erklärung, warum Sie nicht eingeladen wurden?

Nein, im Vorfeld hieß es noch, wir werden eingeladen. Das Ganze zeigt, welche Macht die Kirche nach wie vor hat. Es liegt eben daran, dass sie eine wohldotierte PR-Abteilung hat, die den gesamten Staat durchdringt.

Interview: Ingrid Brodnig


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