Mediaforschung  

Können Wir sind Helden mobilisieren, Frau Schaffert?

Nachfragekolumne

Medien | Joseph Gepp | aus FALTER 15/11 vom 13.04.2011

Dass Rockbands gerne gesellschafts- und kapitalismuskritische Texte singen, ist bekannt. Die Berliner Band Wir sind Helden ging einen Schritt weiter und schenkte der globalisierungskritischen NGO Attac gleich einen kompletten Song. "23.55: Alles auf Anfang“ heißt das Lied, eine Singleauskoppelung aus dem aktuellen Album "Bring mich nach Hause“.

Die darin enthaltene Kritik kommt - unüblich für Protestsongs - durchwegs nicht säuerlich daher, sondern flott und verspielt. "Wer A sagt, muss auch B sagen, nach dem ganzen Abc fragen“, singt Leadsängerin Judith Holofernes und: "Fühlst du dich machtlos, geh raus und mach, los!“

Astrid Schaffert, Künstlerkoordinatorin von Attac Deutschland, freut sich über das Geschenk mit mutmaßlichem Mobilisierungspotenzial. Es drücke mehr aus, als wenn Aufforderungen zum politischen Engagement bloß in Texte verpackt würden, erklärt sie. "Bei einem Lied wird der ganze Mensch erfasst und emotionalisiert.“ Dass Künstler für Attac performen, sei kein Einzelfall. Wir sind Helden etwa traten schon bei den G8-Protesten in Heiligendamm 2007 für Attac auf oder bei jüngsten Atomdemonstrationen in Berlin, ohne Honorare dafür zu verlangen.

Das Lied steht Attac zur freien Verfügung. Die Aktivisten beauftragten den deutschen Regisseur Michel Klöfkorn mit einem Musikvideo, das ganz und gar auf die Zwecke der NGO zugeschnitten ist. Darin halten Protagonisten Sprechblasen aus Karton hoch, die Sätze formen wie "Wann, wenn nicht jetzt?“ und "Wer, wenn nicht wir?“. Parallel zu dem Video, das auf Youtube und Attac-Homepages zu sehen ist, gibt es auch ein offizielles Musikvideo zu "23.55: Alles auf Anfang“ von Wir sind Helden, das nichts mit Attac zu tun hat.

Fazit: Das beste Marketing machen immer noch die Kapitalismuskritiker.


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