Als die steinernen Bäume in den Himmel wuchsen

Lexikon | Matthias Dusini | aus FALTER 16/11 vom 20.04.2011

Wie entstand der Stephansdom ? Das Wien Museum weiß es

Als der Stephansdom im Jahr 1433 fertiggestellt wurde, war er der höchste Turm Europas. Das Streben in die Vertikale ist ein Kennzeichen der gotischen Architektur, die nun im Mittelpunkt der Ausstellung "Der Dombau von St. Stephan“ steht.

Die Grundlage der Schau im Wien Museum ist die Sammlung spätmittelalterlicher Architekturzeichnungen, die sich heute im Besitz der Akademie der bildenden Künste befindet. Von keinem gotischen Dombau ist eine derart große Zahl von Planrissen auf Pergament und Papier erhalten geblieben. Bis ins kleinste Detail sind die Pläne ausgearbeitet, als Vorlagen für die Arbeit der Dombaumeister und Steinmetze. Als Repräsentationsbau der Landesfürsten, Pfarrkirche und später als Bischofssitz sollte der Steffl das Juwel der Stadtkrone sein.

Die Ausstellung informiert über die Finanzierung des Prestigebaus und über das Leben auf der Baustelle. 300 Jahre lang strömen Handwerker und Hilfskräfte aus ganz Europa nach Wien. In einer Grafik sind etwa die Umweltkatastrophen, Epidemien und Kriege verzeichnet, die die Menschen während der Bauzeit heimgesucht haben.

Und wie wurden die riesigen Steinmengen herbeigeschafft, die allmählich in den Himmel wuchsen? Eine rekonstruierte Tretmühle liefert ein Exempel für die simplen und effizienten Techniken der Bauarbeiter. Der Besucher darf auch die eisernen Werkzeuge in die Hand nehmen, mit denen die Steine bearbeitet wurden.

Das Wien Museum bewahrt die Bauskulpturen von St. Stephan, etwa die Fürstenfiguren, auf. Als im 19. Jahrhundert diese am Dom durch Kopien ersetzt wurden, kamen die Originale - wie auch die gotischen Glasfenster - ins Museum. Diese Objekte sind in die Ausstellung miteinbezogen. Alte Stiche, Gemälde und Werbesujets erzählen außerdem die Geschichte des Doms als Bildgeschichte. Durch die Vervielfältigung wurde der Steffl zur Wiener Stadtikone.

Wien Museum Karlsplatz, bis 21.8.


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