Ohren auf

Frisches Austro-Vinyl in allen Formaten

Sammelkritik

Lexikon | Gerhard Stöger | aus FALTER 16/11 vom 20.04.2011

Nischenökonomie? Von wegen. Es ist weit eher Liebhaberei, die laufend für Vinylnachschub aus dem lokalen Popunderground sorgt. Aktuell etwa von Tricsson um den alten Szene-Hasen Werner Leiner. Ihre Debüt-LP "Welcome Ashore“ (tricsson.net) bietet atmosphärischen elektronischen Pop mit Sprechgesang und lässigen Trompeteneinschüben, der meist von unheilschwangerer Ruhe geprägt ist, bisweilen aber auch lauter werden darf; den MP3-Downloadcode gibt es gratis dazu.

Weit gröber geht es beim Bass-Schlagzeug-Duo Tumido zu. Gigi Gratt und Bernhard Breuer füllen ihr auf durchsichtiges Vinyl gepresstes neues Album, "Hunde“ (Interstellar), mit zwei ebenso ausschweifenden wie konzentrierten Improvisationen, die von Noise und freiem Jazz geprägt sind, dabei aber auch eine ausgeprägte Lust am Groove haben. Das Ergebnis ist schroff und grob, passagenweise aber auch richtiggehend sexy.

Sexy ist auch das Stichwort für Bo Candy & His Broken Hearts. Das neue Quintett der burgenländischen Szene-Institution Thomas Pronai (vormals: The Beautiful Kantine Band) debütiert mit einer liebevoll gestalteten Mini-LP (thomas.pronai@bnet.at). Die fünf Songs kombinieren einen forschen Garagenrock geschickt mit psychedelisch gefärbtem Sixtiespop; eine zweite EP soll noch heuer folgen.

Bernhard Schnur, der Sänger des wunderbaren 90er-Jahre-Poptrios Snakkerdu Densk, hat sich nach einigen Solojahren wieder Mitmusiker gesucht, das Ergebnis nennt er kurzerhand Bernhard Schnur & Band. Zum Einstand gibt es mit "Canzoni d’Aprile“ (Plagdichnicht) eine sechs Songs starke Vinyl-EP im 10-Inch-Format, gefüllt mit hübschem Gitarrenpop zwischen Harmonie und Schrulligkeit.

Batman schließlich, eine Hälfte des fidelen Garagenpunkduos Batman & Robin, hat vier kleine Hits zwischen Schlagertrash, Rumpelsoul und Sixties-Gaudi auf die Single "Cucciolone Classico“ (Bachelor) gepackt: "Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, ein Kuss bedeutet nicht so viel. Warum denkst du immer gleich an Liebe, wo ich doch nur küssen will?“


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