Theater

Als Blase platzte, fehlte die Zeit zum Scheißen

Kritik


Steiermark | Florian Labitsch | aus FALTER 16/11 vom 20.04.2011

Für kometenhaften Aufstieg und tiefen Fall steht Jeffrey Skilling, Präsident des Energiekonzerns Enron. Er verkaufte mit seiner Firma nicht nur Erdgas, sondern handelte auch mit Energie und Wetterprognosen an der Börse. Durch Bilanzfälschung und fiktive Milliardengewinne avancierte das texanische Unternehmen Ende der 90er-Jahre zum Börsenliebling. Als nach 9/11 die Finanzblase platzte, ging Enron pleite und fabrizierte einen der größten Finanzskandale der US-Geschichte. Die britische Dramatikerin Lucy Prebble machte aus dieser Geschichte die Reality-Soap "Enron“, die ihre Österreichpremiere am Grazer Schauspielhaus feiert.

Auf der Bühne wandern verschiedene Büroräume hin und her, in denen das bravourös spielende Trio Sebastian Reiß (Skilling), Gerhard Balluch (Enron-Vorstandsvorsitzender) und Martina Stilp (Managerin) agiert. Im Hintergrund leuchtet die US-Flagge, aus roten, weißen und blauen Luftballons gebaut. Cornelia Crombholz hat die Inszenierung als bunte Achterbahnfahrt durchs Enron-Spielkasino angelegt, angereichert mit revueartigen Elementen wie Gesangs- und Tanzeinlagen sowie einem Schlagzeug auf der Bühne. Allerdings nervt der Singsang der Revuedamen mit der Zeit etwas. Und trotz des satirischen Stück-Charakters wirkt es deplatziert, wenn ein Video zeigt, wie George W. Bush selbst mittels Fernbedienung die beiden Flugzeuge ins World-Trade-Center lenkt. Ein gelungener Einfall hingegen sind die drei Dinosaurier auf der Bühne als Symbol für den beginnenden Konzernniedergang. Da plagen Skilling schon Bauchschmerzen, aber: "Ich hab nicht mehr genug Zeit zum Scheißen.“ Als die Theaterbörse nach drei Stunden schließt, bilanziert Crombholz’ Inszenierung durchaus positiv. Trotz einiger Maluspunkte, die jedoch den Kurs der Bühnenaktie keineswegs zu Fall bringen.

Schauspielhaus Graz, Mi 19.30


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