Digitalia

IT-Kolumne

Medien | Ingrid Brodnig | aus FALTER 16/11 vom 20.04.2011

Ich finde das eine Frechheit. Ich sitze im Büro, draußen ein Hundewetter, drinnen ein Berg an Arbeit. Dann schaut man kurz auf Facebook, um sich aufzuheitern - und wird ganz depressiv. Meine Facebook-Freunde posten Fotos vom Skilauf in Ischgl oder von der tollen Party gestern. Habe ich schon gesagt, dass ich euch alle hasse?

Es geht nicht nur mir so. Neulich hat eine Journalistin in der New York Times darüber geschimpft. "Fear of Missing Out“ nennt Jenna Wortham das Gefühl, wenn online alle anderen mit ihrem Leben prahlen und man selbst fad auf der Couch oder am Arbeitsplatz sitzt. Diese Angst, das eigentliche Leben zu versäumen, ist mir bekannt. Ich versuche es locker zu nehmen: Wahrscheinlich sind die Bilder eine Lüge. Der Schnee war patzig, die Party öd. Und wenn mich das nicht beruhigt, bleibt noch ein Hoffnungsschimmer: Bald fahre ich auf Urlaub. Dann werde ich meine Freizeitfotos hochladen und ihr werdet mich beneiden. Dazu ist Facebook schließlich da. Stimmt’s?


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige