Sexkolumne. Aufklärung für Zeitgenossen

Abgerüstet

Kolumnen | Heidi List   | aus FALTER 16/11 vom 20.04.2011

Gestern im Prater sah ich wieder den einen, der mir normalerweise in der Fastenzeit die Scham ins Gemüt treibt. Punkt Aschermittwoch hat der nicht gefleischt, geraucht, gesoffen oder gesext. Um dann am Ostersonntag eine Orgie zu feiern. Er ist gar nicht so katholisch, er nimmt halt den Terminklassiker zur jährlichen Entgiftung. So. Aber gestern eben sah ich den stelzennagend im Schweizerhaus. Und weit und breit noch kein Osterhasi. Empört sprach ich ihn darauf an, wieso er mich jetzt meines Loser-Erlebnisses beraube. Ja, er hätte da wen kennengelernt. Und die ist nur am Ostersonntag katholisch. Am Tag der Auferstehung ihres Herrn, da wird nicht gepoppt. Da wird nach Eiern gesucht und werden überzuckerte Kinder geherzt. Und eine Orgie am Ostermontag erst, das ist genau der eine Tag zu viel, den er nicht aushalten will. Also hat er die Kur umgekehrt. Er säuft, frisst und vögelt sich mehrere Wölfe in der Fastenzeit - und Wahnsinn!, dieser eine Tag Pause, also der tut dann richtig gut.

Ich hab ihn gefragt, ob das nicht Augenauswischerei sei. Die Antwort vernahm ich nur undeutlich durch die Bong.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige