Kritik

Böse Menschen kennen keine Lieder

Lexikon | aus FALTER 17/11 vom 27.04.2011

Die Aufforderung "Take me here by the dishwasher“ hört sich schon heftig nach Hausfrauensex an. Der isländische Künstler Ragnar Kjartansson spielt mit dem Titel seiner jetzigen Ausstellung aber auf eine Szene beim Dreh seiner Schauspielereltern zum Film "Mordsaga“ an, in der er vermutlich gezeugt wurde. In Wien war Kjartansson zuletzt im Kunstraum Thyssen Bornemisza Art Contemporary mit seiner berührenden Videoarbeit "The End“ vertreten, bei der ein Pianist an einem mitten im Schnee aufgestellten Flügel vor einer Bergkulisse spielt. Nun widmet ihm die Bawag Foundation eine Einzelausstellung.

Musik und Romantik sind aus den Arbeiten des 1976 geborenen Dieter-Roth-Verehrers nicht wegzudenken. Auf der Manifesta 2008 hat er täglich acht Stunden lang Schumanns "Dichterliebe“ zu Klavierbegleitung gesungen. Für seine Wiener Personale hält er wieder Herzerweichendes bereit: Während der Ausstellung werden für die Performance "Troubadours“ täglich zehn Musiker zusammentreffen, Gitarre spielen und singen. Zum Besten geben sie ein Dialogfragment aus dem Film "Mordsaga“, der Sound stammt von Kjartan Sveinsson, dem Keyboarder der Band Sigur Rós. Kjartansson weist gerne darauf hin, dass seine Kunst vom Feminismus geprägt ist und Männer mit Gitarre stellen für ihn ewig wiederkehrendes Genderstereotyp dar.

In den Kellerräumlichkeiten der Bawag Foundation zeigt der Künstler noch ein sehr persönliches Porträt des kürzlich verstorbenen Bluessängers Pinetop Perkins. Das (Fan-)Video "The Man“ zeigt den 97-jährigen Mississippi-Musiker wie er noch einmal richtig loslegt, rauchend singt und singend raucht. NS

Bawag Foundation, Eröffnung Do 19.00; bis 26.6.


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