Neu im Kino

Pittoreske Schlägereien am Pier von Brighton

Lexikon | Klaus Nüchtern | aus FALTER 17/11 vom 27.04.2011

Der Bandenkrieg an der südenglischen Küste macht vor den Angehörigen derselben Gang nicht Halt: Als Pinkie (Sam Riley) einem Kollegen einen Denkzettel mit dem Messer verpassen soll, versagt er kläglich; ein wenig später schießt er übers Ziel hinaus, und er erschlägt ihn mit einem Stein. Der Titel von Graham Greenes Roman "Brighton Rock“ (1938) bezeichnet dennoch eine Zuckerstange.

Zuckerschlecken ist das Leben des skrupellosen Pinkie - in der 1947er-Verfilmung dargestellt von Richard Attenborough - natürlich keines, und von der ersten der zahllosen Naheinstellungen auf dieses Gesicht an weiß man, dass es kein gutes Ende nehmen wird: Eher passt Pete Doherty (dem Riley auch recht ähnlich sieht) auf seine Ernährung auf, als dass diesem Pinkie - katholisch wie Graham Greene - Erlösung zuteil wird. Rose (Andrea Riseborough), das Mädchen, das bereit wäre, alles für ihn zu tun, bleibt diesem metaphysisch verkommenen Manipulator nur eine unliebsame Zeugin, die mit allen Mitteln an einer Aussage gehindert werden muss.

Regisseur Rowan Joffe hat die Handlung in die 60er-Jahre verlegt, was Gelegenheit gibt, den effektvoll inszenierten Pier auch als Schauplatz für Prügeleien zwischen Mods und Rockern zu nutzen - was so viel Sinn macht wie das meiste an dieser angeberischen, das Elend geschmackvoll ausleuchtenden, mit landschaftlichen Schauwerten protzenden und die Grenze zur unfreiwilligen Selbstparodie überschreitenden (Andy Serkis als Mafioso!) Verfilmung.

Ein einziges Mal kommt es - zwischen Helen Mirren (also Roses Beschützerin Ida) und John Hurt - zu einer Szene, in der sich zwischen den Darstellern auch etwas abspielt: Den Film hätte man gerne gesehen! Zu spät, denn die zähen 111 Minuten sind in dem Moment so gut wie vorbei.

Derzeit in den Kinos (OF im Haydn und Village)


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