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Bauchstich mit Hirnsausen: Slashersatire "Scream 4“

Lexikon | Drehli Robnik | aus FALTER 17/11 vom 27.04.2011

Eine Binsenweisheit besagt: Horrorfilme vom Typ Slasher sind wie Pornos; es zählt die endlose Entblößung von Fleisch, die Story ist wurscht. Für "Scream 4“ gilt das Gegenteil. Obwohl da ein maskierter Killer umgeht, fungiert der Film im Grunde als Anti-Porno: Serielles Messermorden zählt hier einzig als der jeweils kurze, eher fleischlose Moment, in dem komplexe, bis ins Detail mit Sinn aufgeladene Vorgeschichten - perfide Vorspiele, die die Regie mit unserer Erwartung treibt - sich im Kreischen entladen.

Die (Vor-)Spielregel des "Scream“-Franchise besagt, dass die Filme eben davon handeln, wie ein Slashermovie seine Vorgeschichten ausstellt und dabei kreischend angeschaut wird. Die stilprägende Trilogie der Jahre 1996 bis 2000 zeigte Kleinstadtmilieus, in denen juveniles, radikal endliches Leben sich in Medien(praktiken) abbildete: im Zeichen von Videothek-basierter Horrorfilm-Nerdigkeit (Teil 1), Filmhochschulstudium (Teil 2), Film-im-Film-Werdung des Serienmordens (Teil 3, der nach wie vor beste). Wieder von Kevin Williamson und Wes Craven geschrieben bzw. inszeniert, vereint Teil 4 Survivors der Trilogie rund um Neve Campbell mit heutigen Teenies.

Deren Bildwelt ist halb Retro-Kult, halb Online-Selbstbeobachtung, und so legt sich eine neue Ebene medialer Umwertung über "Originale“, die ihrerseits Horrorfilmgeschichtsunterricht waren: ein qualitativer Wechsel, der als quantitativer Zuwachs - noch mehr Zitate, Tote und Film im Film im Film - in Erscheinung tritt (und vice versa). Der Weg allen Fleisches: Gebrauchswert wird zum Tauschwert, Schock zur Gewöhnung, Tragödie zur Farce, Selbstreflexion eines Reboots zum Dauerschmäh eines Screamakes. Das weiß der Film so gut wie wir, und Dorfdeppsheriff Dewey sagt es als Marx’sche Binsenweisheit: "One generation’s tragedy is the next one’s joke.“ Gehet hin und kreischet.

Ab Do 5.5. in den Kinos


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