Ohren auf  

Dialektpop, mal anspruchsvoll, mal volksnah

Sammelkritik

Lexikon | Gerhard Stöger | aus FALTER 17/11 vom 27.04.2011

Die frühen Deep Purple gehen fast immer, das wissen auch die Damen von Netnakisum. Das zuletzt auf ein Trio geschrumpfte österreichische Streicherensemble zwischen authentischer und artifizieller Folklore hat sein Bergdrama "Das Geheimnis der Alpenstube“ (Geco) 2010 im Semperdepot mitgeschnitten und jetzt als Kombipaket aus CD und DVD veröffentlicht. Vom mehrstimmig intonierten Volkslied reicht das Angebot über melancholische Instrumentalstücke bis zur Ravel-Interpretation - und mittendrin findet sich mit "Highwaystar“ eben ein alter Deep-Purple-Hadern, der auch in der Streichtrioversion ganz ordentlich fährt.

Abgesehen von der eigenwilligen Schreibweise ihres Namens präsentieren sich [rema’su:ri] frei von jedem Kunstanspruch. Die Ottakringer kombinieren Wienerlied und österreichischen Dialektpop, vulgo Austropop. Der Livemitschnitt "Hitte!“ (Eifelbaum) wirkt betont volksnah, setzt den Schmäh bisweilen aber gar zu tief an, etwa in "Am leiwandsten daham“, einem heftig beklatschten Loblied auf den WC-Besuch in den eigenen vier Wänden. Die ruhigeren Momente sind hier eindeutig reizvoller.

"Kross ouwa“ steht am Cover der CD "A schlechta Schmäh“ (Eiffelbaum) von Sigi Inlejnda. Dieser Crossover eint proletarischen Liedermacher-Dialektpop und hemdsärmeligen Dancehallreggae, klassische Protestlieder und Holzhammer-Botschaften der Marke "ollas Oaschlejcha“. Inlejndas simples Gut-Böse-Schema kann nerven, hat aber auch etwas Rührendes. Und sein Schmäh ist okay: "Häd i ned, war i ned, kan Stan, ka Fiona, mei Rua wül i hobm in mein Opel Ascona.“

Wunderbar stimmungsvolle Chansons im Vorarlberger Dialekt bietet "Moatlaschmecker“ (Eigenverlag/Hoanzl), das neue Album von Schellinski. Die 13 luftig arrangierten Lieder einen geschickt Lebensfreude und Schwermut und verpacken große Botschaften in einfache Worte: "I wär so gern din Casanova, wär so gern di Mon Chéri. Din Softie und din Ma fürs Grobe, I wär so gern di vis-à-vis.“

Netnakisum live: 13.5., 19 Uhr, Konzerthaus


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