Nachrichten aus dem Inneren

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Falter & Meinung | Klaus Nüchtern | aus FALTER 17/11 vom 27.04.2011

Ist zwar schon wieder vorbei, aber auch retrospektiv kann man sagen, dass Ostern unterschätzt wird. Ritualtechnisch betrachtet ließe sich sogar behaupten, dass Ostern das Top-Fest des Kirchenjahres darstellt. Gemeinhin gilt ja Weihnachten als "größer“. Aber ist das nicht schnöde akkumulativ gedacht? Klar, der Geschenkestapel unterm Weihnachtsbaum ist meist größer als der im Osternest. Und wo’s zu Ostern den Oster-, gibt es zu Weihnachten den Stefanibock - getränkemäßig also ein glattes Unentschieden. Dem Weihnachtsstollen kann man den Osterstriezel, dem Kletzenbrot die Pinze entgegensetzen; bliebe in der Patisserieabteilung immer noch ein starker Überhang pro Weihnachten - der Kekse wegen. Dafür zieht in der Kategorie Hauptspeise vom toten Tier Weihnachten entschieden den Kürzeren: fettige, nach Moorschlamm müffelnde Karpfen versus Milchlamm und Schinkenteilsames?! 2:0 für Ostern! Und was hätte Weihnachten dem Eierpecken entgegenzusetzen? Karpfengräten aus der Kehle fieseln?!

Ostern ist auch deswegen ganz proper, weil die Zeitung am Karfreitag "zugemacht“ werden muss. Das wäre eigentlich der höchste protestantische Feiertag, aber weil es auch das gleichnamige Ethos gibt, verzichten Kralicek und ich gerne auf dessen Nutzung. Wenn es darum geht, möglichst früh ins verlängerte Wochenende abzuhauen, kriegen sogar unser katholischen Kolleginnen und Kollegen einen ökumenischen Arbeitsanfall und legen einen Gang zu. Nur die Brodnig hängt bis 21 Uhr in der Redaktion rum. Aber die isst am Karfreitag ja auch gefüllte Mikrowellenpaprika.


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