Meinesgleichen

Aufklärung, in China und bei uns …

Falter & Meinung | aus FALTER 17/11 vom 27.04.2011

Während man in Österreich beim Versuch, die apolitischen Absichten der Regierung zu ergründen, über die Berufung von 24-Jährigen ins Kabinett grübeln muss (siehe oben), ist man, was China betrifft, eher auf Spekulationen angewiesen, warum die chinesische Regierung gerade wen aus dem Verkehr zieht. So hat sie bekanntlich den weltbekannten Künstler Ai Weiwei bereits vor Wochen unter dem Vorwand verhaftet, dieser habe Steuerdelikte begangen (solche Delikte bieten bei uns wiederum eher nicht den Vorwand für Haftstrafen, sondern für breit angelegte Unschuldsvermutungen).

Man hat Ais Verhaftung auch als Fraktionskampf innerhalb der Regierung interpretiert. Kurz vor seiner Verhaftung sei er gefragt worden, ob er nicht Mitglied der Konsultativkonferenz des chinesischen Volkes werden wolle, "ein hohe staatliche Ehre, die manchen Prominenten zuteil wird“, wie die FAZ berichtet. Offenbar obsiegte jene Fraktion, die es vorzog, Ai zu inhaftieren.

Nun wurde eine Konfuzius-Statue von ihrem Platz vor dem Pekinger Nationalmuseum in einen Hinterhof verbannt. Hat man Konfuzius als Zeichen des Feudalismus entfernt? Oder ist er, wie der Sinologe Rainer Roetz versichert, mit seiner Aufforderung zum aufrechten Gang eher Teil der chinesischen Aufklärung? Dann folgte die Denkmalverrückung den gleichen Motiven, die Ai Weiwei in Haft brachten: Beiden warf man - so Roetz - vor, Außenseiter zu sein, "die ihren Weg allein gehen“ wollen.

Quellen:

Mark Siemons: Zum Denken bitte in den Hinterhof, FAZ 26.4.2011 Rainer Roetz: Die Kritik der reinen Anti-vernunft, Süddeutsche Zeitung, 8.4.2011


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