Kommentar  

Das iPhone, dein Spitzel: ein Telefon als geheime Fußfessel

Datenschutz

Falter & Meinung | Florian Klenk | aus FALTER 17/11 vom 27.04.2011

Seit Jahren diskutiert eine kritische Öffentlichkeit über die Vorratsdatenspeicherung. Höchstgerichte in ganz Europa zerbrechen sich den Kopf, unter welchen Bedingungen der Staat höchst sensible Standortdaten von Handybenutzern zur Verbrechensbekämpfung speichern darf.

Es geht um elementare Bürgerrechte: Das Handy kann dank der Datenbanken von Telekomfirmen wie eine Art Fußfessel verwendet werden - und das rückwirkend.

Nun platzen Rercherchen zweier Computerexperten in diese Debatte. Sie haben herausgefunden, dass Apples iPhone eine versteckte und unverschlüsselte Datei enthält, in der die Bewegungsprofile der Nutzer gespeichert werden. Jeder iPhone-Nutzer überträgt diese Datenpakete via iTunes unbemerkt auf seinen Rechner - im Büro oder zu Hause. Das Leben der Bürger wird mittels einer Spezialsoftware kartografierbar, das Handy zum Spitzel.

Computerfreaks wissen das angeblich alles bereits. Konsumenten sind schockiert. Wenn Arbeitgeber, geschiedene Ehepartner oder die Polizei die iPhones auswerten, dürfen sie die heiklen Datensätze vor Gericht verwenden.

Nicht nur dieser Vorfall, auch die Umtriebe von Google, Facebook und all den anderen Datenkraken zeigen, dass der Staat diese Erosion des Rechts auf Datenschutz und Privatleben mittels klarer Konsumenten- und Datenschutzgesetze bekämpfen muss.

Der Einwand, der Bürger wisse doch, welche Geräte er benutze und welche Daten er freigibt, zählt nicht mehr. Längst haben wir den Überblick verloren, wie unsere Gadgets im Hintergrund arbeiten. Wir brauchen Information und effiziente Abwehrrechte.


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