Mediaforschung  

Warum legt Peter Kruder mit seinem Handy auf, Herr Mayer?

Nachfragekolumne

Medien | Nathalie Grossschädl | aus FALTER 17/11 vom 27.04.2011

Letzte Woche hat es mir wirklich das Leben gerettet. Ich sollte in Barcelona spielen. Eine richtig schöne Stadt, nur der Soundcheck war weniger schön“, erzählt Peter Kruder im aktuellen T-Mobile-Fernsehspot. Der Zuseher sieht, wie der heimische DJ bei seinem Barcelona-Auftritt einen Drink über den Laptop schüttet. Kruder bleibt trotzdem ruhig, geht hinter die Bühne und lädt sich kurzerhand die Musik via mobilem Internet aufs Smartphone. "Ist dann noch richtig eine fette Party geworden“, sagt Kruder. Zum Schluss sieht man schöne Menschen in einem stylishen Club tanzen. Die Werbung suggeriert: Nur T-Mobile und sein neues "Mediencenter“ machten diesen tollen Abend erst möglich.

Der Mobilfunkanbieter möchte cool sein und hat sich den prominenten DJ Peter Kruder als Testimonial geholt. In den 90er-Jahren erfanden die Elektronik-Pioniere Peter Kruder und Richard Dorfmeister den sogenannten Lounge-Sound und machten Wien wieder zu einer international anerkannten Musikmetropole.

Die 90er-Jahre sind längst vorbei. Thomas Mayer, Werbeleiter von T-Mobile Austria, hält Kruder nichtsdestotrotz für eine gute Wahl: "Er ist international und bewegt seit Jahren die Massen.“ Auch seien aus den Partygehern der 90er mittlerweile berufstätige, häusliche Mittdreißiger geworden. "Durch den Spot werden sie an eine wunderschöne Vergangenheit erinnert“, meint Mayer.

Doch wie realistisch ist diese Werbung? Wie hoch wäre die Handyrechnung von Peter Kruder, hätte er tatsächlich in Barcelona etliche Megabyte Musik auf sein Handy geladen? Darauf gab T-Mobile trotz mehrerer Anfragen keine klare Antwort. Ob Kruder bei der darauffolgenden Handyrechnung auch noch so cool geblieben wäre? Daran darf wohl gezweifelt werden.


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