Technik  

Sony Ericsson Play: ein Zockerhandy für Handyzocker

Dinge, die uns brauchen

Medien | aus FALTER 17/11 vom 27.04.2011

prüfbericht: Thomas Vasek

Es ist schön, neue Begriffe zu lernen. Zum Beispiel das "Zocker-handy“. In meinem Alter denkt man da an einarmige Banditen, Pokerzimmer oder Finanzmarktkapitalismus. Und man fragt sich, wo bei einem Zockerhandy das Geld rauskommt.

Hätte ich einen Teenagersohn, würde er jetzt die Augen verdrehen - und weiter zocken. Zum Beispiel auf seinem "Sony Ericsson Play“. Es sieht aus wie ein Smartphone, aber das ist nur Bluff: Wer das Display aufschiebt, sieht kryptische Symbole. Damit bewegt man etwa kleine Männchen, die einem Ball hinterherlaufen. Oder steuert ein Auto. Aha, denke ich: Ein "Zockerhandy“ ist also eine Art Playstation, mit der man telefonieren kann. Oder ein Telefon zum Spielen.

Genauer kann man es nicht sagen. Jedenfalls hat es einen hochaufgelösten 4-Zoll-Touchscreen, WLAN, HSPA, GPS, eine 5-Megapixel-Kamera und diversen Kram, den der Handyzocker so braucht, wenn er gerade nicht zocken will. Außerdem ist es ziemlich riesig und kostet gut 500 Euro. Immerhin sieben Spiele sind vorinstalliert, gut 50 davon gibt es im Android-Market, bis zum Herbst sollen es einige 100 werden. Allerdings fragt man sich, ob sich Sony-Ericsson mit dem Play nicht, nun ja, verzockt hat. Für 500 Euro kriegt man immerhin ein Smartphone plus eine Playstation Portable. Was der Witz an einem Zockerhandy ist, versteht am Ende doch nur der Handyzocker.

Und das ist mehr als nur ein Sprachspiel: Als Nichtzocker fühlt man sich fast ein bisschen abgezockt.

Thomas Vasek ist Journalist und Buchautor in München


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