Guten Morgen, Abendland! Die römische Landesausstellung in Petronell

Feuilleton | Matthias Dusini | aus FALTER 17/11 vom 27.04.2011

Garnisonsfahnen in den blau-gelben Landesfarben flattern im Wind, um die niederösterreichische Landesausstellung im Römerland zu bewerben. Im Freiluftmuseum Petronell informiert das neue Besucherzentrum (Architekt: Reinhardt Gallister) über das Leben im Legionslager, einige Häuser wurden originalgetreu rekonstruiert. Die Lebensnähe geht so weit, dass in der Therme Handtücher liegen. So anders waren die eh nicht: Das Ambiente vermittelt den Eindruck eines überheizten Pfarrsaals.

Zweite Station ist das Archäologische Museum Carnuntinum in Bad Deutsch-Altenburg, ein von dem Architekten Friedrich Ohmann (Palmenhaus Burggarten) geplantes Gebäude in Form einer römischen Villa, das seit seiner Eröffnung im Jahr 1904 als Museum genutzt wird. Hier sind, etwas zu dicht gedrängt, ausgewählte Fundstücke zu sehen; im Mittelpunkt steht das Thema Religion. Die Standorte sind durch Shuttlebusse miteinander verbunden, im Besucherzentrum gibt es außerdem Elektroräder. Zu kurz kommen die Zugreisenden: Die S7 fährt nur einmal pro Stunde von Wien nach Petronell.

Letzte Station ist die Kulturfabrik Hainburg in der ehemaligen k. u. k. Tabakfabrik. Auf zwei Geschoßen ist die Welt der Eroberer und Entdecker zu sehen, eine museumspädagogisch verunglückte Wald- und Wiesenschau von der Urgeschichte bis zur Aubesetzung. Auch wenn die Wiener Museen schöne Exponate zur Verfügung gestellt haben und die Themen sorgfältig aufbereitet sind: Für die Reise vom langobardischen Gräberfeld bis zur Eingeborenenhütte auf Sikaiana wären mindestes 80 Tage nötig.

Ein Leitmotiv des ganzen Projekts ist ein Treffen römischer Politiker im Jahr 308 in Carnuntum, auf dem die christliche Religion anerkannt wurde. Guten Morgen, Abendland! In der Ausstellung erfährt man dann viel über christliche Eroberungen, die in Südamerika auch zur Erforschung der indigenen Völker geführt haben sollen. Erst forschen, dann metzeln: Wieder hat man etwas Neues gelernt.

"Erobern, Entdecken, Erleben“: bis 15.11. im Römerland Carnuntum


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