Alles Erfinden ist obszön: Auschwitz aus der Sicht der Täter und der Opfer

Feuilleton | Erich Klein | aus FALTER 17/11 vom 27.04.2011

Um Katastrophen wie die Ermordung der europäischen Juden durch die Nazis zu charakterisieren, sind Formeln mitunter sinnvoller als kühne Metaphern. Ein Ausdruck wie "komplexer Vernichtungszusammenhang“ (Jürgen Habermas) regt mehr zum Denken an als Paul Celans "Grab in den Lüften“, der den inflationären öffentlichen Gebrauch seiner "Todesfuge“ seinerzeit untersagte. Dennoch muss jede Generation die Frage, wie darüber angemessen zu sprechen sei, neu stellen.

Der Schweizer Autor Jürg Amann wählt in seinem Monolog "Der Kommandant“ die Mimesis des radikal Bösen: Aus den Aufzeichnungen, die der Auschwitz-Kommandant Rudolf Höß zwischen Prozess und Hinrichtung an seiner ehemaligen "Wirkungsstätte“ im April 1947 verfasste, montiert er einen "Monolog“.

"Angesichts der Wirklichkeit ist alles Erfinden obszön“, lautet Amanns ästhetisches Credo, das konsequent umgesetzt wird: "Ich, Rudolf Höß, Kommandant von Auschwitz, will im Folgenden versuchen ...“

Katholisches Elternhaus,


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