Denn die nächste Reise kommt bestimmt

Steiermark | aus FALTER 17/11 vom 27.04.2011

Prosagedichte von Wolfgang Pollanz: Picksüße Mehlspeisen und schnarrende Geräusche als Sieg der technischen Welt

Buchrezension: Florian Labitsch

Wenn einer eine Reise tut, so heißt es, dann kann er was erzählen: Wolfgang Pollanz, Herausgeber der edition kürbis, schreibt in seinem neuen Gedichtband "Von Reisen/O potovanjih“. Von London bis Tel Aviv, von New York City bis Maribor berichtet er zweisprachig - in Deutsch und Slowenisch, übersetzt von Irena Samide. Dabei liebt das lyrische Ich picksüße Mehlspeisen, sitzt stundenlang im "Lissabon Café“ und kann sich dort "durch die Mandeltörtchen kosten“. Speisen und Gerüche ziehen sich durch viele Gedichte, in "Tel Aviv Airport“ heißt es: "Nachts am Airport/dieser Duft nach Orangenblüten“, doch einige Zeilen später wird mit der wohlriechenden Idylle gebrochen: "Hinter den Sicherheitsmauern/dem Stacheldraht und Elektrozäunen/vermutet man die Stadt“. Für Brechungen dieser Art bleibt in den Prosagedichten immer wieder Platz, in Lignano verbrennen neben dem blauen Swimmingpool-Licht Insekten im grellen UV-Licht. Ein kurzes schnarrendes Geräusch ist zu vernehmen, als "Sieg der technischen Welt“. Neben der slowenischen Übersetzung sorgen die Fotos von Tomaž Cˇrnej für eine eigenständige (dritte) Bildsprache, die kontrastreich in diesen Lyrikband eindringt. Durch diese Mehrsprachigkeit läuft der Leser so gut wie nie Gefahr, sich in Urlaubsidyllen zu verlieren. In "Madeira im Nebel“ weiß Pollanz um diese Gefährdung: "Alle Klischees fallen einem dazu ein/doch man tut gut daran, sie zu meiden.“ Jedoch tut man gut daran, sich den Lyrikband zuzulegen. Als Urlaubslektüre vielleicht, denn die nächste Reise kommt bestimmt.

Wolfgang Pollanz: Von Reisen/ O potovanjih. edition keiper, 120 S., € 16,50


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige