Hundert Jahre Zeitausgleich

Befindlichkeitskolumne

Steiermark | aus FALTER 17/11 vom 27.04.2011

Hosen am Horizont und bewundernde Blicke

Wie so oft zu dieser Jahreszeit fragt sich der letzte Intellektuelle, ob es auch im Kommunismus noch Badehosen geben wird, oder Boxershorts, oder ob jeder einfach irgendwie in die Mur springt und zehn Meter weiter unten ganz unterkühlt und durchgeshaket wieder raussteigt und bewundernde Blicke von TouristInnen erntet. Shaken, ins Wasser springen, Touristinnen, lauter Dinge, die der letzte Intellektuelle gerne auch woanders probieren würde, aber aus irgendeinem Grund möchte er nur da hinfahren, wo er auch wen kennt. Und das grenzt die Auswahl schon ziemlich ein, denn die ganzen Thailänder oder New Yorker müssten dann erst mal nach Graz kommen, dann könnte man sich kennenlernen und vielleicht mal dorthin einladen, warum denn nicht. Aber warum sollten sie das tun? Touristisch hat diese Stadt nicht so wahnsinnig viel zu bieten, außer sehr viele extravagante, konventionelle und weniger konventionelle Möglichkeiten, Selbstmord zu begehen. Dafür ist aber jetzt nicht die Jahreszeit, der letzte Intellektuelle wischt die Gedanken eh schnell weg, weil durch Hitze, Hormone und eine Begegnung mit einer christlichen Demonstrantin mit einem Transparent "Wieder(!) die Schwerkraft der Sünde“ in der Annenstraße sich eine fast schon anstrengende Fröhlichkeit breit macht in den Herzmuskeln der Steirer und Steirerinnen, und die geht nicht mehr weg, bis es regnet.

Dramatiker Johannes Schrettle ist zwar kaum in Graz, dennoch weiß er immer was von dort zu berichten


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