Neu im Kino

Erinnerung an eine Welt von gestern: "Poll“

Lexikon | aus FALTER 18/11 vom 04.05.2011

Im Jahr 1914 kehrt Oda von Siering aus Berlin an die Ostseeküste zurück, die tote Mutter im Gepäck. Ein pittoreskes Gutshaus, gebaut auf Stelzen im Meer, davor ein paar versprengte Bauernhäuser. Deutsche werden im Zarenreich noch geduldet, erschossen werden Anarchisten. Odas Vater hat seinen Lehrstuhl für Medizin verloren, dafür schneidet er in der Sägemühle den Leichen die Köpfe auf und vervollständigt seine Monstersammlung. "Poll“ heißt das Anwesen und heißt auch dieser Parallelfilm zu Hanekes "Das weiße Band“. Aus Oda von Siering wurde Oda Schaefer, eine heute vergessene Schriftstellerin und die Großtante des deutschen Regisseurs Chris Kraus, der, zwischen historischer Wahrheit und Fiktion nicht unterscheidend, ihre Jugendjahre mit dem Familienbesitz bedeutungsvoll untergehen lässt: "Jede Stunde kostet dein Leben / Unaufhaltsam rücken die Zeiger / Du kannst sie nicht bannen / Du schläfst.“ MP

Ab Fr in den Kinos


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige