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Avantgarde aus Montréal: "Live Cinema“

Lexikon | Michael Omasta | aus FALTER 18/11 vom 04.05.2011

Zu den Epizentren des jungen Experimentalfilms in Kanada zählt das Double Negativ Collective, zu dem sich 2004 in Montréal zwölf Filmschaffende zusammengeschlossen haben, um an einer radikal persönlichen Filmsprache zu arbeiten. Wie diese aussieht, davon kann man sich bei "What’s Up Vienna! What’s Up Montréal!“ überzeugen, einem von Michaela Grill, Christof Kurzmann und Steve Bates konzipierten 3-Tage-Festival aus Sights und Sounds. Herzstück des Ganzen ist der "Live Cinema“ genannte Kinoabend, bei dem mit Karl Lemieux und Daichi Saito zwei der zentralen Protagonisten des besagten Kollektivs zu Gast sind. In beider Filmen wird man Bildkaskaden ausgesetzt, die im Einzelnen kaum mehr zu dechiffrieren sind. "Green Fuse“ (2008) von Saito etwa nimmt sich von seiner Machart wie Stimmung (man sieht Bäume, einen Park im Herbst) wie eine Hommage an den Filmemacher Kurt Kren aus. Ganz anders, nämlich mit Malpinsel und Chemikalien, rückt Lemieux dem filmischen Material zu Leibe. So macht "Western Sunburn“ (2007) seinem Titel alle Ehre, denn Bild für Bild lösen sich die durch eine typische Westernlandschaft galoppierenden Cowboys wie in der Projektorhölle eines durchschmorenden Films auf.

Apropos. Nach dem Filmprogramm packt Lemieux vier 16-mm-Projektoren und packen die Elektronikmusiker David Bryant, Kevin Doria und Jonathan Parent ihre Gerätschaften aus. Und gemeinsam verwandeln sie den Kinosaal in einen Raum "verstörend schöner Bild- und Klangwelten“.

An den beiden folgenden Tagen trifft die kanadische Delegation dann im Echoraum in der Sechshauser Straße auf heimische Filmer und Musikerinnen wie Billy Roisz oder dieb13.

Österreichisches Filmmuseum, So 20.30, Echoraum, Mo, Di 20.00 (Details: whatsupviennawhatsupmontreal.net)


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