Theater Kritik

Palmetshofer hat’s wieder Faustig in den Ohren

Steiermark | Hermann Götz | aus FALTER 18/11 vom 04.05.2011

Wenn Faust bei Ewald Palmetshofer auf Besuch ist, sind Heinrich und Grete von Anfang an vereint im Verneinen, zwei irgendwie links positionierte, irgendwo sozial engagierte Stadt- oder Exlandmenschen, die sich vor einer spießigen Balkonparty in eine brüchige Zweisamkeit flüchten. Die Kraft, die Böses will und dabei Gutes schafft, fehlt in dieser zwanglosen Versuchsanordnung namens "faust hat hunger und verschluckt sich an einer grete“. Die Partygesellschaft möchte, wenn sie die beiden Singles aufeinander loslässt, nur das Beste, ein trauriges Ende ist also fix. Das erinnert am Schauspielhaus Graz in seiner Dynamik an Wolfgang Bauers "Gespenster“, während die Sprache, so wie sie sich in die schiefen Bilder hineinstürzt, ihre schwabische Prägung nicht verleugnen kann. Palmetshofer hat diese zwei Elemente - das dynamische Gruppenpsychodrama und die sprachmächtig-manieristische Seelenmetzgerei - in seinem 2009 am Schauspielhaus Wien uraufgeführten Stück sauber getrennt. Die Regie von Anna-Sophie Mahler unterstreicht dies durch von Schauspielern bediente Handscheinwerfer, die die inneren Monologe von der halbdramatischen Rekonstruktion der Geschehnisse abheben. Mit Rollenwechseln und gelungener Dialogführung schweißt Mahler die ausgesuchten Darsteller (Thomas Frank, Pia Luise Händler, Katharina Klar, Florian Köhler, Verena Lercher und Leon Ulrich) zu einem konzentrierten Ensemble zusammen, das Theater zeigt, wie es am Schauspielhaus nicht oft zu sehen ist: einfach, aber einfallsreich, trashig und doch nobel in seiner Zurückhaltung. Bei manchem Monolog scheint es aber nicht damit getan zu sein, einen Lichtkegel drauf- und tapfer durchzuhalten. So offenbart die ruhige Hand der Regie wie im Vorbeigehen die eine oder andere Länge des Textes, gerade weil sie ihm immer Respekt zollt.

Schauspielhaus Graz, Sa, Do 20.00


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