Meinesgleichen

Falter & Meinung | aus FALTER 18/11 vom 04.05.2011

Osama, Obama, der Falter und die Weltgeschichte

Es war ein unvergesslicher Dienstagnachmittag, jener 11. September 2001. Warm und sonnig. Wir saßen bei der Redaktionssitzung, unversehens fanden wir uns alle, gut zwei Dutzend Leute, in meinem engen Büro, denn dort befand sich der einzige verfügbare Fernseher, der Monitor meines Computers. Die brennenden Twin Towers wurden zum Gemeinschaftserlebnis, bei dem nicht allzu viel geredet wurde. Es war der größtmögliche, der größtvorstellbare Unfall, den man sich nicht vorstellen hatte wollen. Merkwürdigerweise wusste man schnell, woher die Bedrohung kam. Vor dem Eindruck des Geschehens verblasste sogar die Tatsache, dass just in dem Augenblick der Falter fertiggedruckt wurde, mit einem Titelblatt, an das sich keiner mehr erinnert.

In der nächsten Ausgabe reagierten wir umso heftiger. Mit der Zeile "Wir alle sind New Yorker“ vor dem Hintergrund der brennenden Türme brachten wir die geeinten Antiamerikaner gegen uns auf. Sinnlos zu erklären, wie es gemeint war: nicht als Stellungnahme für Bush, sondern für jene anderen USA, die man mit Zivilgesellschaft, widerständigem Individualismus, Gegenkultur, Großzügigkeit und eben New York nur unzureichend umschriebe. Diese Eigenschaften waren vom äußeren Fundamentalismus ebenso bedroht wie vom inneren. Dass die USA, der Rechtsstaat, der Verfassungsstaat schlechthin, begannen, sich von innen aufzuweichen, war Osamas fatals-te Konsequenz. Obama ist und bleibt eine Hoffnung gegen diese Entwicklung.


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