Kommentar  

Kunsthallen-Chef Gerald Matt und der grüne Kaiserjäger

Kulturpolitik

Falter & Meinung | Matthias Dusini | aus FALTER 18/11 vom 04.05.2011

Es knallt im Wald des Wolfgang Zinggl. Mit seinen Vorwürfen bringt der grüne Parlamentarier den Direktor der Kunsthalle Wien, Gerald Matt, in arge Bedrängnis (siehe auch Seite. 26). Von einem Whistleblower ans Tageslicht gebrachte Dokumente belegen, was seit Jahren evident ist. Der umtriebige Selbstdarsteller verwendet seine Popularität nicht nur, um die Kunsthalle bekannter, sondern auch, um sein Privatvermögen größer zu machen.

Es sei ihm gegönnt, denn nur in den strengen USA wird pingelig darauf geachtet, dass der Museumsjob strikt von Nebenjobs getrennt bleibt. Matt ist nicht der Einzige, der viel "außer Haus“ ist: Der Kunstbetrieb ist voller Raupen Nimmersatt.

Kann man Matt aber nachweisen, dass er Mitarbeiter auf Kosten der Steuerzahler arbeiten lässt und dafür private Honorare kassiert, wird wohl auch Zinggls Anzeige bei der Staatsanwaltschaft kein Schuss ins Blaue bleiben. Neben dem kapitalen Geweih von Mak-Kaiser Peter Noever könnte ein weiterer Platzhirsch zu seinen Trophäen zählen.

Zielsicher traf der grüne Kaiserjäger in eine Lücke sozialdemokratischer Kulturpolitik: In Ermangelung eigener Kennerschaft ließen Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny und Claudia Schmied jene gewähren, die in ihrer Selbstverliebtheit die strahlendste Aura entwickelten.

Matts Plan, kasachischen Oligarchen im Tausch gegen Sponsoringmillionen die österreichische Staatsbürgerschaft zu verschaffen, ist nicht kriminell, sondern skurril. Eine faire Lösung wäre es, den weitgereisten Egomanen vom Direktor zum Geschäftsführer zu degradieren. Damit er bei der Arbeit im Kontor wieder Boden unter die Füße bekommt.


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