Mediaforschung  

Würde Jesus "Gemma Kirche“ sagen, Pater Dominic?

Nachfragekolumne

Medien | Stefan Apfl | aus FALTER 18/11 vom 04.05.2011

Glaubt man an die Geschichten über Jesus von Nazareth, dann haben wir es mit einem talentierten jungen Mann zu tun. Nach der Lektüre einschlägiger Schriften wäre neben seiner wundersamen Heilkraft und dem nicht minder beeindruckenden Altruismus zuvorderst die freie Redekunst zu erwähnen. Nämlich nicht bloß der schlauen politischen und gesellschaftlichen Analysen wegen, sondern weil der mutmaßliche Gottessohn ein Gespür dafür hatte, wie man eine Heilsbotschaft verpackt: in der Sprache der Leut’.

Wäre dieser talentierte Herr Jesus nun nicht im antiken Nazareth, sondern in den Randbezirken des postindustriellen Wien groß geworden, hätte er nicht aramäisch gesprochen, sondern den Slang junger Migranten: "Gemma Maria Magdalena“, hätte er dann gesagt, oder "Fahrma Himmel“.

Zugegeben, der Vergleich ist eher schief als eben und Dominic Sadrawetz würde ihm wohl nicht seinen Segen geben. Und dennoch hat Sadrawetz, alias Pater Dominic, eben dies getan: Gottes Botschaft eingeneudeutscht. Dem gebürtigen Bayern ist es zu verdanken, dass die Augustinerkirche im Herzen Wiens ihre Schäfchen neuerdings mit dem präpositionsfreien Spruch "Gemma Kirche“ lockt.

"Die Menschen leben in verschiedenen Milieus und nutzen auch unterschiedliche Sprachen“, sagt Pater Dominic: "Das ist eine Realität, und mit der müssen wir umgehen.“ Denn wie es da draußen, außerhalb der Kirchengemäuer zugeht, das meinen er und seine Mitbrüder, von denen gleich mehrere an Wiener Berufsschulen unterrichten, zu wissen.

Ausgerechnet eine Berufsschülerin war es auch, die einen der Augustiner fragte, ob der "Gemma“-Spruch einer Kirche würdig sei? Hätte man ihr doch bloß auf Aramäisch geantwortet.


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