Der Satiriker auf Besuch beim Bundespräsidenten

Feuilleton | aus FALTER 18/11 vom 04.05.2011

Dramolett: Antonio Fian

Büro des Bundespräsidenten Fischer. Der Kabarettist Scheuba ist soeben eingetreten und wird von Fischer begrüßt. Sie nehmen auf zwei Fauteuils Platz.

Bundespräsident Fischer: Lieber Herr Scheuba, ich habe Sie eingeladen, weil mir berichtet wurde, Sie seien derzeit Österreichs scharfzüngigster Satiriker und überdies ein glänzender politischer Analytiker. Erzählen Sie mir doch ein wenig, was im Lande so vorgeht. Ist das Kabarett ein wichtiges Korrektiv geworden?

Florian Scheuba: Nun, Herr Bundespräsident, es kann die Funktion einer Gegenöffentlichkeit haben. Wenn andere versuchen, über gewisse Dinge Gras wachsen zu lassen, können wir mit dem Rasenmäher drüberfahren.

Fischer: Ich verstehe. Was sagen Sie dazu, dass Türkisch als Maturafach zur Debatte steht?

Scheuba: Man sollte prüfen, was man damit anfangen kann. Aber wenn man die Ergebnisse der Pisa-Studie sieht, ist es ein Luxusproblem, über eine Türkisch-Matura zu debattieren.

Fischer: Rot-Grün in Wien?

Scheuba: Prinzipiell ist es wichtig, dass es Alternativen zu Rot-Schwarz gibt, aber man muss schauen, was sie bringen.

Fischer: Wie erklären Sie sich, dass gerade jetzt so viele Skandale an die Öffentlichkeit kommen?

Scheuba: Das ist kein Zufall. Das hat sehr viel mit der Ära Schwarz-Blau zu tun. Das heißt aber nicht, dass es unter Rot-Schwarz keine Korruption gegeben hat. Man darf die Zeit vor Schwarz-Blau nicht verklären. Es gibt in Österreich eine Tradition des miteinander Mauschelns. Das war schon in der Zeit der Sozialpartnerschaft so. Diese hatte aber auch ihre guten Seiten.

Fischer: Ich verstehe. Eine letzte Frage noch: Ist es wahr, dass Sie bei der nächsten Bundespräsidentenwahl kandidieren und meine Nachfolge antreten wollen?

Scheuba: Nein. Warum? (Vorhang.)

Material: ",Die Oase der Korruption‘ - Interview mit Florian Scheuba“, News 15/2011

Von Antonio Fian erschien zuletzt: Man kann nicht alles wissen. Dramolette V. Mit 1 Bonusdrama. Droschl, 187 S., € 19,-


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