Stadtrand 

Die MA-48-Schneckerln aus dem Seventiesporno

Urbanismuskolumne

Stadtleben | Matthias Dusini | aus FALTER 18/11 vom 04.05.2011

Man kennt sie noch von alten Fußballerfotos, die Schneckerln von Herbert Prohaska und Co, meist in unmittelbarer, anatomischer Nachbarschaft von Flinserl und Schnurrbart. Chemische Haarfarben - schwarz, blond! - hatten auch damit zu tun. Irgendwie scheint diese Mixtur von der Bildoberfläche verschwunden zu sein. Allenfalls begleitet sie als 70s-Vintage-Porno-Style irgendwelche Disco- und Aerobic-Revivals.

Nur die Männer der Magistratsabteilung 48 lassen sich von dem Strom der Modegeschichte nicht mitreißen und haarwickeln und föhnen, dass es eine Freude ist. Man sieht sie in ihren orangen Arbeitsanzügen durch die Gassen fegen, während Windstöße an ihren langen, gewellten Federn zupfen und sie zausen.

Soziologen würden vom Gesetz der Imitation schwafeln. Bestimmte Auto- und Kleidersorten bilden in manchen Gegenden Symbolcluster. Der MA-48-Sauna-Heavy-Metal-Solarium-Cluster ist aus ganz anderem Stahl geschmiedet. Er ist Ausdruck eines soliden Standesbewusstseins - wie der Lockenkopf der Queen.


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