Hundert Jahre Zeitausgleich

Befindlichkeitskolumne

Steiermark | aus FALTER 18/11 vom 04.05.2011

Die Unmöglichkeit einer Insel in einem Bus

Architektenurlaubsgespräche: In Thailand zum Beispiel sind Toiletten unversperrt, auch in Lokalen. Weil die Aufmerksamkeit eine ganz andere ist: Das würde da nicht passieren, dass man sich gegenseitig beim Scheißen stört, weil jeder auf den anderen achtet und deshalb weiß, wann gerade frei ist. Es ist so ähnlich wie bei einer Busfahrt von Graz nach Köflach an einem Sommerabend. Alle Fahrgäste, zumindest im vorderen Busteil, sind in ein gemeinsames Gespräch verwickelt, auch wenn es bis Lieboch nur aus drei bis vier Sätzen besteht, die Umbauarbeiten, Arbeitszeiten und Urlaubspläne zum Thema haben. Man schaut auf einander und wenn jemand den Halteknopf betätigt, obwohl schon jemand anders den Halteknopf betätigt hat, zeigt er damit nur, dass er ein asozialer Ignorant ist. In den innerstädtischen Bussen ist das ganz anders. Hier drückt jeder für sich selbst, und der Einzige, der sich nicht an das "Während-der-Fahrt-nicht-mit-dem-Fahrer-Sprechen“ hält, ist der Fahrer selbst, dessen Selbstgespräche aber natürlich offene Einladungen zum Gruppengespräch sind, die aber fast immer unbeantwortet zwischen den schüchternen MitfahrerInnen verhallen, außer es sind richtig knackige Eröffnungen wie: "Der Nächste, der was die kaputte Tür aufmacht, kriegt einen Deppenorden von mir persönlich umgehängt, mit einem Stein, und dann ab in die Mur“.


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