Auf der Leinwand werden die Leute mehr - wenn’s im Künstlerhaus auch so kommt, freut’s den Künstler sehr

Feuilleton | aus FALTER 19/11 vom 11.05.2011

Vorschau: Michael Omasta

Der Dienstag gilt traditionell als schwacher Kinotag. Vielleicht rücken Kinomacher deswegen an Dienstagen gern einmal vom üblichen Spielplan ab: Im Wiener Stadtkino gab es vor Jahren die Reihe "Dienstagnacht“, im Österreichischen Filmmuseum ist der Dienstag seit Jahr und Tag für die "Zyklischen Programme“ reserviert.

Nun hat der Filmemacher Michael Pilz mit der Gesellschaft der bildenden Künstler ein spezielles Programm für das Kino im Künstlerhaus ausgehandelt. Dort werden ab Mitte Mai, jeweils Dienstag um 21 Uhr, vom normalen Kinobetrieb vernachlässigte Arbeiten gezeigt: "Filme, die persönlich sind“, sagt Pilz, "handschriftlich sozusagen“ - und zwar nach dem Vorbild großer internationaler Museen, bei freiem Eintritt.

Es geht also nicht ums Geschäft, ja nicht einmal nur um die Filme, sondern vor allem um das Publikum und die Erfahrungen, die es in einem Kino, das sich konventionellem Storytelling verweigert, machen kann. Für die paar Wochen bis zum Sommer hat Pilz, neben eigenen Arbeiten, vor allem Filme befreundeter Künstler ausgesucht - darunter Hubert Sielecki, Gabriele Hochleitner oder Peter Schreiner, der zuletzt mit "Toto“ auch beim Filmfestival von Venedig vertreten war.

Meditativ, ganz aufs Zusehen und Hinhören abgestellt ist schon der Film zum ersten Termin eine echte Herausforderung. "Invocation of Bliss“ von Michael Pilz (2006/09) ist ein Blick in einen Garten in Schiraz, Iran, in dessen Mitte sich das Grabmal des persischen Lyrikers Hafes befindet.

Ein paar Männer halten sich im Schatten auf, zwei Frauen sitzen auf der Steinstiege davor; am Ende tummeln sich an die 50 Leute rund um das Grab. Ursprünglich war diese Aufnahme wenig mehr als eine Minute lang. Pilz hat sie ins Extrem verlangsamt und durch Strophen eines Gedichts von Hafes strukturiert. So wird nächsten Dienstag das Kino selbst zum west-östlichen Diwan.


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