Hundert Jahre Zeitausgleich

Befindlichkeitskolumne

Steiermark | aus FALTER 19/11 vom 11.05.2011

Mit den Designern kamen die Tränen

Oh nein, es ist nicht leicht, mit einem heulenden Kind an der Hand durch die Stadt zu gehen, das sich nichts sehnlicher wünscht als eine Hupfburg. Womit heult das Kind? Mit Recht, schließlich ist eine Hupfburg das Mindeste, was man sich von einer Stadt erwarten könnte, die sich die ganze Zeit selber feiert. Verhältnismäßig große Menschen-naja: Trauben schieben sich durch die engen Gassen und sind super drauf, aber statt Hupfburgen gibt es DJs und Workshops und vielleicht hin und wieder einen Clown. Aber die Aussichten auf einen Clown können das hysterische Kind nicht beruhigen, im Gegenteil: Blanke Panik breitet sich schon bei dem Gedanken aus im Gesicht des Kindes, denn es leidet wie sehr viele Kinder und Erwachsene (unter anderem Johnny Depp) an panischer Angst vor Clowns, in der Fachsprache: Coulrophobie, was aus dem Altgriechischen kommt und sich auf "Stelzengeher“ bezieht, da das Konzept des Clowns im alten Griechenland nicht existierte. Ebenso wenig wie Hupfburgen, die erst in den Fünfzigern von der Tochter eines Praterbesitzers erfunden wurde. Der Prater ist das Gegenteil einer Designstadt: Alle sind irgendwie grantig, es riecht immer komisch, es gibt viele Hupfburgen und auch sonst viele geile Sachen in schiachen Farben, die sich nicht gegenseitig inspirieren, sondern schlagen, bis einer weint. Voll schön.

Dramatiker Johannes Schrettle ist zwar kaum in Graz, dennoch weiß er immer was von dort zu berichten


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