Festwochen Tipp

Eine Reise zum Mond mit Air Lepage

Lexikon | aus FALTER 20/11 vom 18.05.2011

Der franko-kanadische Starregisseur Robert Lepage ist als großer Epiker des Theaters berühmt; voriges Jahr war bei den Festwochen der Neunstünder "Lipsynch“ zu erleben. Lepage kann aber auch anders. Zwischen den Großproduktionen inszeniert er ebenso raffiniert gebaute Soloabende. Einer davon heißt "The Far Side of the Moon“, hatte im Jahr 2000 Premiere und ist jetzt wieder auf Welttournee. Lepage selbst steht in der Wiederaufnahme nicht mehr auf der Bühne, wie zuletzt im "Andersen Project“ (Festwochen 2009) wird er von Yves Jacques ersetzt. Auch hier setzt Lepage verschiedene Lebensgeschichten zueinander und mit der Weltgeschichte in Beziehung: Vor dem Hintergrund des Wettlaufs um den ersten Mann auf dem Mond erzählt Lepage die Geschichte zweier ungleicher Brüder. Philippe ist über der Beschäftigung mit seinem Lieblingsthema, den Visionen russischer Raumfahrtpioniere, zum Sonderling geworden; dass sein Bruder Andre als TV-Wettermann von den Errungenschaften der Raumfahrt (das Satellitenbild!) profitiert, hat er ihm nie verziehen. Zwischen den beiden liegen Welten - oder besser gesagt: der Weltraum.

Die Inszenierung ist ein Lehrstück in Sachen Ökonomie der Mittel. Die wenigen Requisiten werden in jeder Szene mit einer neuen Bedeutung belegt: Das Bullauge in der Wand etwa stellt wahlweise eine Waschmaschine, eine Raumkapsel, ein Flugzeugfenster, einen Kernspintomografen und ein Goldfischglas dar. "The Far Side of the Moon“ ist nicht ganz frei vom Dilemma des Virtuosenstücks, in dem das Was vom Wie überdeckt wird. Am Ende aber geschieht etwas Unglaubliches: Der Traum von der Überwindung der Schwerkraft auf der Bühne wird wahr, das Theater schwebt. Es ist ein Wunder und zugleich ein ganz einfacher Trick. Schauen Sie sich das an. WK

Burgtheater, Fr 19.30, Sa 15.00, 20.30, So 17.00


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige