Vernissage

Herrliche Leichen: Mini-Sci-Fi und Maschinenkunst

Lexikon | aus FALTER 20/11 vom 18.05.2011

Die Secession eröffnet diese Woche wieder mit einem Dreiergespann: Stephen Prina, Jahrgang 1954, ist nicht nur bildender Künstler, sondern auch als Musiker und Komponist. Im Mittelpunkt seiner Arbeiten steht die Reinszenierung von Ausgangsmaterial, das von anderen Künstlern stammt. Für die konzeptuelle Serie "Exquisite Corpse: The Complete Paintings“ lieferten Gemälde von Édouard Manet den Hintergrund. Die berühmten Vorlagen spiegeln sich jedoch keineswegs in Prinas Aneignungen, die in monochrome Zeichnungen münden.

Die in den Niederlanden geborene Saskia Olde Wolbers schöpft hingegen ganz aus dem Alltag und lässt sich von den Nachrichten in Zeitungen und Fernsehen zu ihren Videoarbeiten anregen. Aus Angelschnüren, Spiraldraht und Lebertrankapseln bastelt sie Miniaturwelten, die an Sci-Fi-Szenarios denken lassen. In der Secession zeigt sie die Filmarbeiten "Placebo“, "Trailer“ und "Pareidolia“. In letzterer, die kürzlich entstanden ist, werden mechanisch gesteuerte Vögel in Verbindung zu einem deutschen Professor gesetzt, der das Zen-Bogenschießen erlernen möchte.

Auch aus den USA, aber eine Generation jünger als Prina, überlässt Wade Guyton die Produktion seiner Kunst gerne dem maschinellen Zufall. Für die Herstellung von abstrakten Kompositionen, die er mit konventionellen Computerprogrammen fertigt, reicht dem Künstler ein Tintenstrahldrucker. Der Zufall von Störungen und Druckfehlern wird dabei zur werkbestimmenden Größe. Der 1972 geborene Künstler geht damit nicht zuletzt auf Distanz zu einem Malereidiskurs, in dem der Schöpfer großgeschrieben wird. Seine Prints präsentiert Guyton in Form von orts- und raumspezifischen Installationen, diesmal im Grafischen Kabinett. NS

Secession, Do 19.00; bis 21.8.


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