Neu im Kino

Keine Gnade: "Pirates of the Caribbean“, die vierte

Lexikon | Michael Pekler | aus FALTER 20/11 vom 18.05.2011

Man kann mit Fug und Recht behaupten: Der Piratenfilm ist tot. Denn ‚Pirates of the Caribbean‘ ist nicht die Renaissance des Genres, sondern ein buntes, geistloses Durcheinander, das die Versatzstücke versammelt, durchrüttelt und irgendwie wieder zusammenbastelt.“

So streng sind wir bisher an dieser Stelle mit jedem Teil des Piratenspektakels ins Gericht gegangen, und angesichts von "Pirates of the Caribbean 4: On Stranger Tides“ besteht abermals kein Grund zur Begnadigung. Und dass das Piratengenre tot ist, merkt man schon daran, dass die Disney-Serie wenig überraschend die einzige ihrer Art ist; eine Serie, die sich in den vergangenen Jahren vom Zombiefilm bis zum neoklassischen Fantasyfilm alles angeeignet hat, was in einem Themenpark Platz hat.

Dass der vierte Teil lose an den Roman "In fremderen Gezeiten“ von Tim Powers aus dem Jahr 1988 anknüpft, passt nur zu gut: Geht es doch diesmal um die Suche nach dem sagenumwobenen Jungbrunnen, an dem sich am Ende der irgendwie vorhandenen Erzählung alle irgendwie am Geschehen Beteiligten treffen, neben Spaniern, Engländern, Missionaren, Meerjungfrauen und Patrioten allen voran Johnny Depp als Freibeuterkarikatur und Penélope Cruz als unglückliche Nachfolgerin aller Piratenbräute.

Einmal bastelt Ian McShane als Kapitän Blackbeard eine kleine Voodoo-Strohpuppe, die den Harlekin Jack Sparrow zum Hampelmann degradiert. Das führt die Dekonstruktion, mit der diese Figur sich an ihren Genrevorgängern bedient, wahrlich auf die Spitze und zu einem der wenigen interessanten Momente in zweieinhalb Stunden. Aber die Freude währt kurz, denn bald landet die Puppe in einer Schlucht. Und ihr Vorbild springt hinterher.

Ab Fr in den Kinos (OF im Artis und Village, 3 D im Haydn)


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