Neu im Kino

Stationendrama aus dem Abseits: "Periferic“

Lexikon | Michael Pekler | aus FALTER 20/11 vom 18.05.2011

Vom rumänischen Kino zu schwärmen ist derzeit nicht gerade originell. Seit mehreren Jahren ziehen die Arbeiten nicht nur von Cristi Puiu ("Der Tod des Herrn Lazarescu“) oder Corneliu Poromboiu ("12:08 East of Bucharest“) internationale Festivalaufmerksamkeit auf sich. Diese Filme werden zumeist an ihrem postrevolutionären Realismus festgemacht, an den Mühen des Alltags in einem Land des Umbruchs und immer wieder an den beengenden ökonomischen Verhältnissen, denen die Charaktere ausgesetzt sind. Auch "Periferic“ von Bogdan George Apetri, entstanden als österreichische Koproduktion und geschrieben von Cristian Mungiu ("4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage“), setzt diesen Weg inhaltlich und formal fort.

Die junge Matilda (Ana Ularu) erhält für das Begräbnis ihrer Mutter einen Gefängnisfreigang und nützt mit sturer Präzision den Tag, um unheildrohende Finanz- und Familienangelegenheiten zu regeln. Apetri/Mungiu verdichten die Erzählung zu einem Stationendrama, das Matilda mit ihrem verkorksten Leben aus der Vergangenheit konfrontiert: Der Bruder, die Schwägerin, der Vater (wie immer großartig: Mimi Branescu) des gemeinsamen Sohnes und schließlich das achtjährige Kind selbst - sie alle stellen psychische und physische Hürden einer Parforcejagd dar. Dem Titel gemäß ist "Periferic“ ein Film, der sowohl vom gesellschaftlichen wie auch vom räumlichen Abseits berichtet, das Matilda - von der Handkamera verfolgt - energisch durchquert. Ein kraftvoller Film, dessen Ende allerdings wirkt, als sei es einer Erwartungshaltung geschuldet. Dabei hat das rumänische Kino mittlerweile auch die bürgerliche Welt, etwa in Radu Munteans großartigem "Tuesday After Christmas“, als Schauplatz entdeckt - nicht in der Peripherie, sondern mitten im Zentrum.

Ab Fr im Votivkino (OmU)


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