Meinesgleichen

Ich oder Ich? Der doppelte Fleischhacker

Falter & Meinung | aus FALTER 20/11 vom 18.05.2011

Seit einigen Wochen schreiben Michael Fleischhacker und ich (vgl. Falter 19/11) über jene Podien, auf denen wir uns gemeinsam einfinden, um Probleme der Qualitätspresse zu diskutieren. Diese Diskussionen verlaufen unterschiedlich, einmal war er unten, dann wieder ich oben, wie wir Raufer das zu beschreiben pflegen (er erzählt es zu Hause genauso, nur umgekehrt). Kürzlich allerdings ließen mich selbstkritische, ja geradezu selbstquälerische Töne aufhorchen: "In der Diskussion selbst war ich etwas unleidlich, ein Zeichen von Schwäche, ja, ich fühlte mich ertappt“, schrieb Fleischhacker (Presse, 14.5.).

Was war geschehen? Armin Wolf, der Moderator der Diskussion am Tag des Qualitätsjournalismus, dem 5. Mai, hatte Fleischhacker vorgehalten, der Name Lugner käme in der Presse öfter vor als der Name Bernanke. Auch mir fehlte die Geistesgegenwart anzumerken, Wolf habe einst selbst getwittert, in der Süddeutschen Zeitung stehe ein ausgezeichneter Artikel über - erraten! - Lugner. Es kommt auf den Zusammenhang an, hätte Fleischhacker sagen müssen, aber es fiel weder ihm noch mir ein.

Wenn ich schon dabei bin: In seiner Glosse zitiert Fleischhacker Gerd Bachers Spruch von der "Selbstinfektion mit dem eigenen Schmäh“. Ich habe den jetzt circa neunhundertmal gehört und würde ihn gern stilistisch bereinigen: Selbstinfektion mit Eigenem ist ein doofer Pleonasmus. Infektion reicht. Außer man ist ins Eigene so verliebt, dass man es prinzipiell verdoppelt.


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