Kommentar

Österreichs Islamvertretung: längst kein Vorzeigefall mehr

Islam

Falter & Meinung | Joseph Gepp | aus FALTER 20/11 vom 18.05.2011

Als die k.u.k. Monarchie anno 1912 den Islam als Religion anerkannte, war das einzigartig in Europa. Dem war eine Erfolgsgeschichte vorangegangen, die 1878 mit der Annexion des muslimisch geprägten Bosnien begonnen hatte. Nach anfänglichem Fremdeln wurden die Bosniaken patriotische Untertanen.

Heute leben wieder Muslime in der Republik Österreich. Sie stammen aus der Türkei, Bosnien und arabischen Ländern, rund eine halbe Million dürften es sein.

Nur 25.000 davon, also ein Zwanzigstel, beteiligten sich an den Wahlen der Islamischen Glaubensgemeinschaft. Am vergangenen Sonntag endete der letzte Wahlgang in Wien mit einem Sieg der türkischstämmigen Muslime. Und kaum war das Ergebnis publiziert, wurden auch schon Zweifel an der geschlagenen Wahl laut.

So forderten einige Muslime von Kultusministerin Claudia Schmied die "Feststellung der Ungültigkeit“. Nicht nur wegen der geringen Wahlbeteiligung, auch weil für die Teilnahme an der Wahl eine "Kultusumlage“ von 40 Euro pro Nase entrichtet werden musste. Schon in der Vergangenheit beklagten Schiiten und Aleviten immer wieder mangelnde Repräsentanz in offiziellen islamischen Gremien.

Österreichs Behörden und Politiker wollen einen verlässlichen Ansprechpartner in allen die Muslime betreffenden Fragen haben und setzen daher auf die Glaubensgemeinschaft. Allerdings: Dieser Ansprechpartner muss sich demokratisch und transparent aufstellen. Sonst gibt es nur scheinbar einen einzigen - während in Wahrheit die meisten islamischen Gruppen ihr eigenes Süppchen kochen. Und das Zusammenleben wird nicht zu einer Erfolgsgeschichte wie anno dazumal, unterm Kaiser selig.


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