Der arabische Sommer

Politik | Reportage: Stefan Apfl / Kairo | aus FALTER 20/11 vom 18.05.2011

Vor 100 Tagen verjagten die Ägypter den Tyrannen Hosni Mubarak. Zu Besuch in einem revolutionären Land

Jedes Mal, wenn der scheppernde Wagen stoppt, dringt der Geruch von Benzin, Urin und gegrilltem Fleisch durch die Fenster in den Fond. Der Weg in die Slums von Imbaba ist von Schlaglöchern übersät, arabischer Elektropop dröhnt aus den Boxen.

Das Taxi hält vor einer Gruppe Polizisten, die die Zufahrt in eine Gasse absperren. Militärfahrzeuge, mit Artilleriegeschütz und dutzenden Soldaten beladen, holpern über die Hauptstraße. "Was wollt ihr hier? Warum seid ihr nicht bei den Pyramiden?“ Innerhalb von Sekunden sind wir von einem Dutzend Bewohner umgeben. Es sind durchwegs Christen, man erkennt es am tätowierten Kreuz, das die meisten auf ihrem Handgelenk tragen. Sie haben Angst, das sieht man an ihren Gesichtern.

Ein Mob aus Eiferern zündete hier, im christlich-islamischen Armenviertel im Westen Kairos, gestern Nacht eine Kirche an. So verängstigt waren die herbeigeeilten Christen,


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