Wer ist Bob Dylan - und wenn ja, wie viele?

Feuilleton | Würdigung: Andreas Spechtl | aus FALTER 20/11 vom 18.05.2011

Indem Bob Dylan das Spiel mit Identitäten auf die Spitze treibt, ist er näher an der Gegenwart, als ihm viele zugestehen wollen

Vorneweg gilt es klarzustellen, dass es hier nur am Rande um den Musiker Bob Dylan gehen wird und sehr viel mehr um die Kunstfigur Bob Dylan, die Robert Zimmerman vor mehr als einem halben Jahrhundert ins Leben gerufen hat und seitdem mit den unterschiedlichsten Identitäten auszustatten vermag. Es sind diese unzähligen Masken, die wohl am meisten beeindrucken und wieder und wieder für Diskussionen unter Dylan-Verehrern sowie -Hassern sorgen. So unbestritten wichtig und stilbildend Dylan für die Popmusik ist, so umstritten und oft wenig nachvollziehbar sind für viele die Wege, die er immer wieder eingeschlagen hat.

Das zentrale Moment der Kunstfigur Dylan ist, dass es so jemanden wie "Bob Dylan“ nicht gibt. Oder sagen wir es so: Bob Dylan ist viele. In Todd Haynes’ Spielfilm "I’m Not There“, dem einzig relevanten Beitrag zum inflationären Biopic-Wahnsinn


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