Kraliceks Festwochentagebuch

Hoch im Norden, weit daneben

Notizen eines Festivalbesuchers (1)

Feuilleton | aus FALTER 20/11 vom 18.05.2011

Donnerstag, 12. Mai: Liebes Tagebuch! So weit im Norden wie heute war ich noch nie in meinem Leben. Christoph Marthaler, dieser Schweizer Virtuose des absurden Theaters, hat sich für sein neues Projekt "±0 - Ein subpolares Basislager“ in Grönland inspirieren lassen. Wer sich davon Eisbären oder Eisberge, Iglus oder Schlittenhunde erwartet hat, wird enttäuscht. Anna Viebrocks Bühne ist eine Mischung aus Sporthalle und Klassenzimmer - kein sonderlich gemütlicher Ort also, aber immerhin geheizt. Die Schauspieler kommen dick vermummt auf die Bühne, und sie haben - der beste Witz des Stücks - eine Tiefkühltruhe dabei. Er habe keinen Abend über Grönland, sondern über eine Faszination inszenieren wollen, schreibt Marthaler in einem Text, der auf dem Programmzettel abgedruckt ist. Worin diese Faszination besteht, wird allerdings nicht so recht deutlich.

Okay, die Grönländer sprechen eine ziemlich fremdartige Sprache, wovon dieser Abend, an dem auch Grönländisch gesprochen wird,


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