Nüchtern betrachtet

Denn alle Lust will Sonne auf der Brust

Feuilleton | aus FALTER 20/11 vom 18.05.2011

Während die anderen mehr oder weniger sauber aufgefädelt am Donaukanal stehen oder sitzen - im März noch die Möwen, ab Mai die Müßigen -, laufe ich vorbei und denke: "Ja, steht und sitzt nur rum, ihr Relaxdeppen! Werdet schon sehen, was ihr davon habt.“ Das ist aber unschön und, genau genommen, gar nicht gedacht, ergo saudumm. Wer sich die Sonne auf die befiederte, behaarte oder bare Brust brennen lässt, spürt sofort: "Aaaaahh!“ Und darum geht’s doch wohl, geht es nicht?! Die Einsicht, "dass es nicht möglich ist, lustvoll zu leben, ohne einsichtsvoll, vollkommen und gerecht zu leben“ - und vice versa, der sogenannte Epikureismus also, hat allerdings, so will mir scheinen, schon bessere Zeiten gesehen. Wird heute irgendetwas als "lustvoll“ angepriesen, handelt es sich entweder um Wellnesskacke oder para-akademischen Selbstermächtigungslarifari aus der Diskurs-Disco, bei dem Geschlechterklischees "lustvoll hinterfragt“ werden. Eh auch okay, aber eben bloß okay und


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