Wie funktioniert denn das?

Bloß nicht drauf sitzen bleiben!

Die Flugzeugtoilette

Stadtleben | Bericht: Christopher Wurmdobler | aus FALTER 20/11 vom 18.05.2011

Vergangene Woche, so meldeten es die Gazetten, musste eine AUA-Maschine auf dem Weg von Wien nach Moskau umkehren, weil gleichzeitig alle vier Toiletten an Bord des Airbus A321 ausgefallen waren. Man hätte zwar weiterfliegen können, sagte ein Sprecher der Fluggesellschaft, habe jedoch die Unannehmlichkeiten, zwei Stunden ohne Toiletten auszukommen, den 175 Passagieren nicht zumuten wollen. Die konnten dreieinhalb Stunden später mit einer Ersatzmaschine ihre Reise antreten. Und über den Wolken aufs Klo gehen, wenn sie mussten.

Womit endlich klar wäre, dass die Exkremente von Flugreisenden eben nicht so einfach aus einem Loch an Bord Richtung Erde fallen, wo sie dann als Eisklumpen landen. Geht ja gar nicht. So eine Bordtoilette ist ein sehr komplexes System - und was Reisende hier lassen, landet zunächst einmal im Tank im Bauch des Flugzeugs. Beim nächsten Zwischenstopp wird es entsorgt. Zumindest wenn genügend Zeit dafür ist.

Wasser und Unterdruck sind die beiden wichtigsten Flugklokomponenten. Ersteres spült die Hinterlassenschaften aus der teflonbeschichteten Schüssel in einen Sammeltank. Der Unterdruck hilft beim Transport, so spart man Spülwasser und damit auch Gewicht an Bord. Ab einer Flughöhe von 5000 Metern reicht der Unterschied zum Druck in der Kabine; bei geringerer Höhe kommt ein Extra-gebläse zum Einsatz. Aber beim Starten und Landen darf man ohnehin nicht die Waschräume aufsuchen.

Um - vor allem auf Langstreckenflügen - Gewicht zu sparen, haben sich Ingenieure sogar eine Wasseraufbereitung samt Minikläranlage ausgedacht. Allerdings scheiterte die Umsetzung dann an der geringen Akzeptanz seitens der Fluggäste. Wer spült schon gerne mit Schmutzwasser?

Was man übrigens auf keinen Fall machen sollte: Während des Spülens auf dem Flugzeugklo sitzen bleiben. Wenn man Pech hat, dann bildet sich nämlich ein Vakuum unterm Hintern und man kommt nicht mehr von der Schüssel runter. Nicht mal bei der Landung; eine ausgesprochen peinliche Situation.


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