Hundert Jahre Zeitausgleich

Befindlichkeitskolumne

Steiermark | aus FALTER 20/11 vom 18.05.2011

Langsam geht alles den Bach runter

Wieder mal Straßenbahnen. Und: Telefongespräche in Straßenbahnen. Sie sind nach wie vor sehr beliebt, und wenn sie schon sein müssen, sollten sie wenigstens langsam, laut und deutlich geführt werden, schließlich sind auch alte Leute anwesend. Die meisten Telefongespräche in Straßenbahnen handeln mittlerweile von Arbeit. Das Interessante daran ist, dass, wenn die Straßenbahn auf einmal viel langsamer wird, weil sie durch die Baustelle am Eggenberger Gürtel fährt, die Gespräche auf einmal schneller werden, und dass die Menschen, je langsamer die Straßenbahn wird, desto mehr ihre Hände einsetzen, um begleitend zum Gesagten zu gestikulieren. Bei verlassenen Bahnübergängen in Mariatrost, wo die Straßenbahn auch langsamer wird, ist das anders: Hier werden auch die Gespräche langsamer, sanfter, leiser. Sie handeln aber immer noch von Arbeit. Möglicherweise wäre es gut, wenn die Arbeit nicht verkürzt, sondern verlangsamt würde. Für diese Kolumne etwa könnte man in einer alternativen Ökonomie auch gut und gerne einen ganzen Tag verwenden. Um sie zu lesen, dann immer noch vielleicht dreißig Minuten. Dann würde man auch insgesamt weniger Kolumnen brauchen, weniger Straßenbahnen, weniger Bäume, weniger Züge (die aber auch jetzt schon sehr langsam fahren), weniger Überleitungen: Der Erfinder der Zeitlupe, A. Musger, war Lehrer am bischöflichen Gymnasium.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige